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Das Buch ist im Dezember 2010 beim Verlag H.M. Hauschild, Bremen, neu erschienen:

168 Seiten, 121 Abbildungen, davon 20 farbig, 21,5 x 28 cm, Surbalin-Leinenband mit farbigem Schutzumschlag, 27,50 Euro
ISBN 978-3-89757-439-7

Hans Georg Prager
Schulschiff Deutschland -
"Weißer Schwan der Unterweser”

„leider vergriffen“ meldete der Deutsche Schulschiff-Verein während der vergangenen Jahre, wenn die Freunde eines ganz besonderes Geschichtsbuches sich erkundigten. Jetzt ist der 168-Seiten Band mit etlichen Illustrationen neu erschienen – überarbeitet, ergänzt und lesenswerter denn je: „SchulschiBuchtitelff Deutschland – Weißer Schwan der Unterweser“. Hans Georg Prager, Grand-Seigneur der maritimen Fachautoren in Deutschland, bietet mit diesem Buch „ganz großes Kino“ – um es in der Sprache der jungen Generation auszudrücken. Der Leser „erlebt“ dank der präzisen Erzählweise die Menschen an Bord dieses Großseglers, seit der 1927 in Dienst gestellt wurde. Mit den Augen ehemaliger Zöglinge lernt man bei aufmerksamer Lektüre auch dieses außergewöhnliche Schiff kennen, dessen gesegelte Strecke etwa 7,5 mal um den Globus reicht.

Die Ausbildungsschiffe der Handelsmarine waren die Großsegler des Deutschen Schulschiff-Vereins, der seit dem Jahr 1900 einen wesentlichen Teil der Matrosen für Dampfer, aber auch für die letzten noch verbliebenen Frachtsegler mit „Seebeinen“ versahen. „Ausbildung“ stand auf dem 86,20 Meter langen Segler für praktische Seemannschaft in selten erreichter Intensität. Gleichzeitig aber auch für Demut. Für das Bestehen gegenüber der Natur und ihren Gewalten, die vor allem auf den Reisen durch den Südatlantik mit ganzer Unerbittlichkeit auf das Schiff und seine Besatzung eindrosch.

146 Tage dauerte allein die erste von zwölf ausgedehnten pragerWinterreisen – nach Südamerika, von dort nach Südafrika und zurück in die Wesermündung. 116 Seetage (davon 33,5 Sturmtage), an denen eine Gesamtstrecke von 15.600 Seemeilen, also 28.891 km, gesegelt wurden. Über einen Maschinenantrieb verfügt der Großsegler nicht. 324 sm – also mehr als 600 Kilometer – beträgt die Rekorddistanz eines einzigen Tages, an dem der Besatzung alles abverlangt wurde. Mit faszinierender Anschaulichkeit beschreibt der Autor die Segelmanöver und die Ausbildung des seemännischen Nachwuchses, der während der ersten sechs Monate Fahrenszeit an der roten Pudelmütze zu erkennen war.

Ohne Lifebändsel, wie sie heute üblich sind, stiegen die „Zöglinge“, wie sie offiziell genannt wurden, an die Jackstagen in schwindelnder Höhe, auch dann noch, als das Hauptdeck 30, 40 Meter darunter sich weit zu beiden Seiten verholte und das „Grüne an Deck“ die Decksdivision zum Kriechgang ermunterte.

Als informativ und spannend erweisen sich auch die Berichte der Sommerreisen in die Ostsee. Vor allem aus der Zeit nach 1939 und den politischen Einflüssen, die auch dem Deutschen Schulschiff-Verein die Arbeit deutlich erschwerte. In diese Zeit fällt auch der einzige Zwischenfall, bei dem der Großsegler südlich der dänischen Küste in Seenot geriet und im letzten Moment vor der drohenden Strandung bewahrt wurde.

Hans Georg Prager ist ein begnadeter Erzähler, dessen Fachkunde zu einem Leseerlebnis verhilft, das ohne Pathos, aber mit Detailverliebtheit Segelschiffsgeschichte der besonderen Art liefert.

Wolfgang Kiesel